Geschlechterforschung

Geschlechterforschung

Beschreibung
  1. Was hat Geschlechterforschung mit Sozialpädagogik zu tun?
    Die ersten Anstöße zur Geschlechterforschung kamen aus der Frauenforschung und zeigten früh Auswirkungen in verschiedenen Handlungsfeldern als auch in der Theoriebildung der Sozialpädagogik. Seminare über Mädchenbildung, Frauenhäuser, Frauen in der Sozialen Arbeit und sexuellen Missbrauch, wurden in den 80er Jahren auch in Kiel angeboten. Anfang der 90er Jahre wurden diese geschlechtsbewussten Seminare ergänzt durch gelegentliche Angebote zur Jungen- und Männerarbeit. Jungen und Männer gehören zu den häufigsten Klienten der Sozialen Arbeit; Jugend- und Familiengewalt ist zumeist Jungen- und Männergewalt. Die meisten Sozialen Dienste werden jedoch von Jungen und Männern nicht in Anspruch genommen.
    Im wissenschaftlichen Kontext wird Frauen- und Männerforschung inzwischen unter dem Sammelbegriff der "Geschlechterforschung" bzw. "Genderforschung" betrieben, da deutlich wurde, dass eine interaktionistische Perspektive auf das Geschlechterverhältnis intersubjektivere Forschungsresultate hervorbringt. In der Praxis ist inzwischen von "Gender Mainstreaming" als Strategie die Rede.
  2. Was meint Gender Mainstreaming?
    Der Begriff stammt aus einer EU-Richtlinie und meint als top-down-Strategie die Forderung, in allen politischen und gesellschaftlichen Institutionen sowie allen zugehörigen Projekten und Konzepten eine geschlechtsbewusste Perspektive mit dem Ziel der Geschlechterdemokratie zu berücksichtigen. Als bottom-up-Strategie wird die organisationspraktische Strategie um sogenannte Gender-Trainings ergänzt, um Schlüsselpersonen für ein geschlechtsbewusstes Wahrnehmen und Handeln zu sensibilisieren. Für die Sozialpädagogik bedeutet Gender Mainstreaming, sowohl in Forschung, Theoriebildung und Ausbildung als auch in den Organisationen der Sozialen Arbeit die Frage zu berücksichtigen, ob mit Hilfe einer geschlechtsbewussten Perspektive bessere theoretische oder praktische Ergebnisse zu erzielen sind.
  3. Zu welchem Schwerpunkt wird zur Zeit in der Abteilung gearbeitet?
    An fast allen wissenschaftlichen Hochschulen hat sich inzwischen eine mehr oder weniger entwickelte Genderforschung mit je unterschiedlichen Schwerpunkten etabliert. In Kiel ist in diesem Zusammenhang das Zentrum für interdisziplinäre Frauenforschung (ZiF) zu nennen. In der Abteilung Sozialpädagogik steht die geschlechtsbewusste Perspektive auf Jungen und Männer sowohl in sozialisationstheoretischer als auch praktisch-pädagogischer Hinsicht im Zentrum der Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Gleichzeitig wird im Zusammenhang des Forschungsschwerpunktes "Umgang mit Heterogenität" die im bisherigen Ansatz der Geschlechterforschung enthaltene Polarität "Mann - Frau" kritisch dekonstruiert. Gearbeitete wird an einer dekonstruktiven Geschlechterpädagogik, mit der die Kategorie "Geschlecht" in einem größeren Zusammenhang einer "Pädagogik der Vielfalt" aufgehoben wird.

Folgende Dissertationen wurden gutachterlich beurteilt:

  • Swoboda-Riecken, Susanna: Berufliche Sozialisation und Rollenverständnis der Geschlechter in der Gegenwart.Dargestellt am Beispiel von Frauen in der Schutzpolizei. Dissertation. Kiel 2002
  • Lippki, Nicole: Integration und Differenz der Geschlechter. Ihre Entdeckung in didaktischer Absicht zu Beginn des Zeitalters der Aufklärung. Rekonstruktion an Samuel Richardsons Erziehungsroman Pamela. Dissertation Kiel 2002, erschienen bei Peter Lang 2003
 

Veröffentlichungen

  • Sielert, Uwe: Daß Jungen nicht zu Tätern werden: Prävention in der Jugendarbeit. In: Sexueller Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen. Hrsg. Ulrich Büscher u.a.: Westarp Wissenschaften, Essen 1991.
  • Sielert, Uwe: Die Entdeckung der Männlichkeit als soiales Problem. In: Sturzenhecker, Benedikt (Hrsg.): Leitbild Männlichkeit - Was braucht die Jungenarbeit?!. Münster 1996.
  • Sielert, Uwe: Jungenarbeit heißt nicht einfach, neue Programme zu entwerfen. - Die Vertreibung aus dem Programm traditioneller Männlichkeit. In: BZgA: Männlichkeit! ...mehr oder weniger? Forum Sexualaufklärung 2/3 1996.
  • Sielert, Uwe: Jungenarbeit - Zeitgeistthema oder Perspektive für die Jugendarbeit? IN: Dokumentation der 2. Fachtagung zur geschlechtsbewußten Jungenarbeit, hrsg.: Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz, Mainz 1997.
  • Sielert, Uwe: Jugendsexualität und Sexualpädagogik mit Jungen. In: Möller, Kurt (Hrsg.): Nur Macher und Macho? Geschlechtsreflektierte Jungen- und Männerarbeit. Weinheim und München 1997.
  • Sielert, Uwe: Körper, Sex und Seele - Was können Männer für ihre Gesundheit tun? In: MännerGesundheit - Dokumentation der Tagungsreihe an der Universität Hamburg. Hrsg.: Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Hamburg 1997.
  • Sielert, Uwe: Jungen brauchen männliche Begleiter: Initiativen gegen die vaterlose Gesellschaft. Vortrag an der Evgl. Akademie Bad Segeberg, 1998.
  • Sielert, Uwe: Zielgruppe Jungen. In: Deinelt, Ulrich und Sturzenhecker, Benedikt: Handbuch offene Jugendarbeit. Münster 1998.
  • Sielert, Uwe: Meinungen, Mythen, Modelle: Wider ein vorschnelles Programm zur neuen Männlichkeit. In: Erziehung heute. Heftthema "Vater sein" (Hrsg.): Friedrich
  • Verlag. Seelze 1999.
  • Sielert, Uwe: Halt suchen auf schwankendem Boden: Männliche Sozialisation und Konsequenzen für die geschlechtsbezogene Jugendbildung. In: Scarbath u.a. (Hrsg.): Geschlechter. Zur Kritik und Neubestimmung geschlechtsspezifischer Sozialisationsforschung. Opladen 1999.
  • Sielert, Uwe: Beitrag zur Qualitätsentwicklung der Jungenarbeit. Dokumentation des Fachkongresses "Qualität in der Sozialen Arbeit". Hrsg.: Institut für Soziale Arbeit. Münster 1999.
  • Sielert, Uwe: Erziehung, geschlechtsspezifische. In: Reinhold, Pollak, Heim: Pädagogik-Lexikon. Oldenbourg 1999.
  • Sielert, Uwe: Bipolar, biplural oder völlig egal? Vom Wandel des geschlechtsspezifischen Blicks in Sexualität und Gesellschaft. In: Sielert, Uwe und Karlheinz Valtl: Sexualpädagogik lehren: Materialien für die Aus- und Fortbildung. Ein Handbuch. Weinheim 2000.
  • Sielert, Uwe: Gender Mainstreaming im Kontext einer Sexualpädagogik der Vielfalt. In: Forum Sexualaufklärung und Familienplanung, hrsg. BZgA Heft 4 / 2001.
  • Sielert, Uwe: Praxishandbuch Jugendarbeit. Teil 2: Jungenarbeit. Juventa Weinheim 2003.