Sexualpädagogik

Beschreibung

  1. Was hat Sexualpädagogik mit Sozialpädagogik zu tun?
    Sexualpädagogik als Teildisziplin der Erziehungswissenschaft hat die Erforschung sexueller Sozialisation sowie praktischer Sexualerziehung zum Gegenstand. Traditionell bezieht sie sich auf Kinder und Jugendliche, zunehmend als Sexual-andragogik bzw. -geragogik auch auf Lebensphasen des Erwachsenenalters. Da Sexualpädagogik bisher vornehmlich angesichts gesellschaftlich relevanter Sozialisationskonflikte wahrgenommen und thematisiert wurde (unerwünschte Schwangerschaften, deviantes Sexualverhalten, Aids, sexueller Missbrauch etc.) entwickelten sich erste Forschungsanstrengungen und Konzepte im Kontext einer präventiv verstandenen Sozialpädagogik. Neben der schulischen Sexualaufklärung gehört der umfassendere Sektor der Sexualerziehung und Sexualberatung, Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung sowie Familienplanung immer noch zu den Handlungsfeldern der Sozialpädagogik. Möglicherweise entwickelt sich die Sexualpädagogik zukünftig ähnlich wie die Vorschulerziehung zu einer eigenen Disziplin der Erziehungswissenschaft mit eigenständigen Gegenstandsbereichen.
  2. Wie ist Sexualpädagogik gesellschaftlich und wissenschaftlich verankert?
    Sexualerziehung ist als explizite Aufgabe von Bund und Ländern im Schwangeren- und Familienhilfegesetz sowie als Aufgabe der Schulen in Landesschulgesetzen festgeschrieben. Auf Bundesebene vergibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Forschungsaufträge, entwickelt Konzepte und Materialien. Pro Familia leistet (neben anderen Wohlfahrtsverbänden) praktische Aufklärungs- und Beratungsarbeit. Als bundesweites Fortbildungsinstitut arbeitet das Institut für Sexualpädagogik Dortmund (ISP) und als Fachgesellschaft die Gesellschaft für Sexualpädagogik (GSP).
    An wissenschaftlichen Hochschulen wird Sexualpädagogik bisher von einigen wenigen Vertreterinnen und Vertretern der Sozial-, Schul- oder Religionspädagogik, der Psychologie und Sexualmedizin gelehrt. Nur an der Fachhochschule Merseburg sowie der Universität Innsbruck und der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern existieren eigene Studiengänge bzw. umfangreichere Studienmodule für Sexualpädagogik und Sexualberatung.
  3. Was leistet die Abteilung Sozialpädagogik in Kiel zur Erforschung und Weiterentwicklung der Sexualpädagogik?
    1994 - 1997: existierte im Institut für Pädagogik unter Leitung von Prof. Dr. Uwe Sielert ein Bund-Länder-Modellprojekt "Sexualpädagogik in der universitären Ausbildung" mit dem Auftrag, ein Ausbildungscurriculums für Pädagoginnen und Pädagogen zu entwickeln. Das Projekt gab wichtige Impulse für die Ausbreitung und fachliche Fundierung von Sexualpädagogik in Schleswig-Holstein, wesentliche Ergebnisse dieses Projekts wurden im Rahmen des Diploms als Wahlpflichtfachangebot umgesetzt und konnten in spezifische Studiengänge anderer Hochschulen einfließen.
    In den Jahren 1997 - 1999 evaluierte eine Arbeitsgruppe der Abteilung unter Leitung von Prof. Dr. Uwe Sielert im Auftrag der BZgA das Modellprojekt "Sexualpädagogik in Fachschulen und Berufsfachschulen für Sozialpädagogik"

Drei Dissertationen entstanden im Kontext der sexualpädagogischen Forschungsarbeit der Abteilung: Burchard, Eva: Identität und Studium der Sexualpädagogik. Dissertation Kiel 1998, erschienen bei Peter Lang. Frankfurt a.M. 1999

  • Tuider, Elisabeth: Sexualerziehung - Sexualupplysning. Der Geschlechterdiskurs im Spannungsfeld von Kultur und Subjektivität. Ein Länervergleich Östereich und Schweden, Kiel 2000.
  • Herrath, Frank: Sexualitätsbezogene Qualifizierung für pädagogische und beraterische Handlungsfelder. Konzeption und Erprobung eines Nachdiplomstudiengangs. Kiel 2003

 

Folgende Dissertationen und Habilitationen wurden von Prof. Dr. Sielert gutachterlich beurteilt:
  • Schmidt, Renate-Berenike: Lebensthema Sexualität. Sexuelle Einstellungs- und Handlungsmuster jüngerer Frauen. Habilitation Bremen, erschienen bei Leske+Budrich 2003
  • Timmermanns, Stefan: Mit anderen Augen sehen. Evaluation schwul-lesbischer Aufklärungsprojekte in Schulen. Dissertation Köln 2003


Veröffentlichungen

Bücher

  • Sielert, Uwe und Herrath, Frank (Hg): Jugendsexualität zwischen Lust und Gewalt. 28O S., Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1990
  • Sielert Uwe: Sexualerziehung - Konzeption und didaktische Hilfen für die Aus- und Fortbildung . 186 S., Beltz-Verlag, Weinheim 1992
  • Sielert, Uwe und Keil, Siegfried (Hrsg.): Sexualpädagogische Materialien für die Jugendarbeit in Freizeit und Schule. 36O S. Beltz-Weinheim 1993
  • Sielert, Uwe und Valtl, Karlheinz (Hrsg.): Sexualpädagogik lehren: Didaktische Grundlagen und Materialien für die Aus- und Fortbildung. Weinheim 2000
  • Timmermanns, Stefan, Tuider, Elisabeth und Sielert, Uwe: Sexualpädagogik weiter denken. Juventa, Weinheim 2003

Beiträge in Sammelbänden

  • Besinnung auf Moralität als Verhaltensprinzip: Jugend und Sexualmoral, in: B. Müller und H.Thirsch (Hg.), Gerechtigkeit und Selbstverwirklichung, Lambertus, Freiburg i.Br. 199O
  • Moralität und pluralistische Gesellschaft, in:Sexualität im Wertepluralismus - Perspektiven zur Überwindung der Krise der ethischen Bildung, h.g. v. H.G.Ziebertz,Mainz 1991, 14 S.
  • Jungen und sexuelle Identität - Erste Annäherungen an ein widersprüchliches Thema. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Dokumentation der 1. Europäischen Fachtagung zur Sexualaufklärung. Köln 1995
  • Homosexualität und Sexualpädagogik . In: Dimpker, Susanne (Hrsg.): Sexualethische Konkretionen, Marburg 1995
  • Sielert, Uwe, Bültmann, Gabriele, Munding, Reinhold: Geschlechtsspezifische Sexualpädagogik in der außerschulischen Jugendarbeit im Land NRW. In: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, 6. Jugendbericht.1995 S. 491 - 553
  • Jungensexualität und Sexualpädagogik mit Jungen. In: Möller, Kurt (Hrsg.): Nur Macher und Macho? Geschelchtsreflektierende Jungen- und Männerarbeit. Juventa-Verlag, Weinheim und München 1997
  • Was hält die Sexualpädagogik von der Sexualwissenschaft? In: Deutsche Gesellschaft für Sexualwissenschaft (Hrsg.): Leipziger Texte zur Sexualität. Heft 9, S.31-47
  • Sexualerziehung - Sexualberatung - Schwangerschaftskonfliktberatung. In: Chassé, Karl August, von Wensierski, Hans-Jürgen: Praxisfelder der Sozialen Arbeit. Juventa-Verlag, Weinheim 2002. S. 341 - 352

Aufsätze in Zeitschriften

  • Die erotischen Gravitationsverhältnisse im pädagogischen Alltag. In: Der pädagogische Blick. 2/1995, S. 79 - 89.
  • Jungensexualität - Mädchensexualität. In: Pro Jugend, 3/1993, S. 5 - 10

Handbuchartikel

  • Artikel über "Zärtlichkeit" und "Heterosexualität" im Lexikon der Sexualität, hg. v. S.R.Dunde, Deutscher Studienverlag, Weinheim, 1991
  • Artikel über "Sexualberatung mit Jugendlichen zum Thema AIDS", in: Beratungsführer zu AIDS, hg. v. S.R.Dunde, Hippokrates Verlag, Stuttgart, 1991
  • Sexualpädagogik. Stichwort im Lexikon für Theologie und Kirche. 1997
  • Geschlechtsspezifische Erziehung sowie Sexualerziehung und Sexualpädagogik. Stichworte im Pädagogik-Lexikon hg. v. Reinhold, Pollak und Heim. Oldenbourg-Verlag, München 1999. S. 231 - 235

Unveröffentlichte Forschungsberichte

  • Sexualpädagogische Aus- und Fortbildung in der Bundesrepublik Deutschland. Expertise zus. mit I.Philipps. I.A. der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Köln 1994
  • Sielert, Uwe, Herrath, Frank: Abschluß- und Evaluationsbericht des BLK-Modellprojekts "Sexualpädagogik in der Hochschulausbildung - Entwicklung und Erprobung eines interdisziplinären Curriculums für wissenschaftliche Hochschulen, Kiel 1998
  • Sielert, Uwe, Osbar, Christian und Specht, Ralf: Abschlußbericht des Modellprojekts "Situationsanalyse zur Sexualpädagogik in den Fachschulen für Sozialpädagogik und Berufsfachschulen in Schleswig-Holstein. Kiel 1996, 86 Seiten.
  • Sielert, Uwe, Grenz, Wilfried und Bischoff, Sandra: Situationsanalyse "Gleichgeschlechtliche Lebensformen in Schleswig-Holstein". Ministerium für Jugend, Familie Frauen des Landes Schleswig-Holstein, Kiel 1998
  • Abschlußbericht Berufsfeldanalyse der Einrichtungen des Landesverbandes PRO FAMILIA Schleswig-Holstein Kiel 1996